Georg Talbot Teil 1 Andres Furger

21.04.2011 von admin

Fahren mit Pferden als Sport

Das sportliche Fahren mit eleganten Wagenpferden erreichte um 1900 seinen Höhepunkt und erlebte in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts ein bis heute andauerndes Revival als moderne Pferdesportdisziplin. Dazwischen, als sich in der Zwischenkriegszeit das Automobil dauerhaft durchsetzte, war es etwas stiller um den Fahrsport geworden. Dass sich die Equipagenkultur trotz der Motorisierung erhalten konnte, ist einigen begeisterten Damen und Herren zu verdanken, die die alte Tradition weiter pflegten. Diese sorgten damit für Kontinuität auf hohem Niveau in den Bereichen Wagen, Fahrkunst und Zucht von Wagenpferden. Und sie legten mit der Weiterentwicklung der sportlichen Seite des „Driving“ den Grundstein zum modernen Fahrsport. Zu diesem Kreis gehörte in Aachen Georg Talbot. Er gestaltete als einer der letzten grossen Viererzugfahrer Europas der alten Schule die wechselvolle Zeit des frühen 20. Jahrhunderts im Bereich des Fahrsportes mit und förderte diese Disziplin in dieser Pferdestadt auf wegweisende Art.

An der Person Georg Talbots kann die allgemeine Entwicklung seiner Zeit im Bereich des Pferdesportes gut abgelesen werden, besonders die Entwicklung der Fahrkultur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.:
- In der Berufswelt aktive und erfolgreiche Bürger gestalten den Freizeitbereich mit und machen in ihrer Heimat Pferdesportveranstaltungen zu einem wichtigen Teil des gesellschaftlichen Lebens der Oberschicht.
- Initiative Industrielle werden zu Bewahrern von Elementen des Lebensstils des alten Adels.
- Aktive Reitsportler wenden sich in einem gewissen Alter dem Fahrsport zu.
- Traditionelle Tätigkeiten werden in einer Zeit des Wandels ritualisiert und damit bewahrt. Gemeint ist hier vor allem die Weiterführung der Equipagenkultur auch nach der Einführung des Automobils. Im Rahmen des reglementierten Sportes werden alte Regeln in neue Strukturen übergeführt.
- Mit Aachen wird ein Kurort, der seit über 100 Jahren von zahlreichen reichen ausländischen Gästen aus ganz Europa regelmässig frequentiert wurde, zu einem pferdesportlichen Mekka.

In Aachen etablierte sich vergleichsweise früh ein hochstehender Luxuswagenbau, vor allem mit den Firmen Hansen und Mengelbier. Der erste Concours Hippique von Aachen wurde 1888 vom Kurverein organisiert, bis um 1900 der heute noch tätige Verein ALRV gegründet wurde, welcher das berühmte Aachener Turnier bis heute organisiert. Die Sparte Fahren war in Aachen stets den Disziplinen Springen und Dressur ebenbürtig.

Biographie

Der 1864 in Aachen geborene Georg Talbot trat nach dem Studium der Ingenieurwissenschaften in Karlsruhe und in seiner Heimatstadt sowie nach Praktikas in England und in Belgien 1887 in die bekannte elterliche Waggonfabrik ein. Der Waggonbau war aus dem Wagenbau (Kutschenbau) hervorgegangen. 1899 übernahm Georg Talbot den Betrieb mit circa 400 Mitarbeitern und expandierte die Fabrik zügig. Wie schon sein Vater wurde er als Industrieller ein engagierter Bürger seiner Stadt. Im kulturellen Bereich profilierte er sich unter anderem als Sammler alter Meistergeigen, die er auch selber spielte. Während des Ersten Weltkrieges kommandierte Georg Talbot als Kavallerieoffizier einen von ihm gestifteten Lazarettzug. Damals wurde der Betrieb der Waggonfabrik bereits von seinem Sohn Richard unterstützt. Georg Talbot starb am 6. 8. 1948, als eben das Aachener Turnier nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Fuss fassen konnte. Geheimrat Georg Talbot wurde von seiner Heimatstadt, der dort ansässigen Technischen Hochschule Aachen und anderen Institutionen verschiedentlich hoch geehrt.

Die Liebe zum Pferd

Georg Talbot pflegte schon als Jüngling den Reitsport und fehlte auf der Aachener Reitbahn bereits als junger Mann bei kaum einer reitsportlichen Veranstaltung. Besondere Freude bereiteten ihm die Aktivitäten des Aachener Reitvereins, dessen Master er war. In den Jahren vor der Ersten Weltkrieg, als die Grenzen noch offen waren, wurde bei Jagden oft ins nahe Belgische oder gar Holländische geritten. Spätestens 1909 erwarb Georg Talbot eine eigene Coach und pflegte offenbar seither das Vierzugfahren. Dafür spannte er seine beiden Wagenpferde als Vorpferde ein und lieh sich zunächst als Stangenpferde die Pferde seines Schwagers Hugo Knops-Talbot (Abb. 1).

Bald legte er sich einen eigenen Viererzug zu. Georg Talbot bevorzugte rassige, hellbraune Holsteinerpferde, vor allem auch Stuten (Abb. 2
 

Nach dem Ersten Weltkrieg unterstützte er die neu organisierten Reit-, Spring-, und Fahrturniere auf der Soers und trat dort regelmässig als aktiver Fahrer auf. Als er im Jahre 1925 sein neues Anwesen „Grenzhof“ beziehen konnte, verfügte er über Stallungen neuester Machart direkt neben dem Wohnhaus (Abb. 3).

 Georg Talbot gewann mit den Viererzug und dem Zweigespann verschiedene Preise (Abb. 4).

 Er führte seine Coach bis ins hohe Alter persönlich vor (Abb. 5).

Nach mündlicher Überlieferung verfügte Geiog Talbot über einen eigenen Trainingsplatz im Wald südlich seines Anwesens und benütze jede Gelegenheit, seine Fahrkunst weiter zu entwickeln. So soll er nach der Rückkehr von den Ausfahrten jeweils auf dem Grenzhof seinen Viererzug so zurückgerichtet haben, dass der Wagen in die Remise zu stehen kam und nicht von Hand zurückgeschoben werden musste.

Text und Fotos : Andres Furger


 

Fahren mit Pferden als Sport

Das sportliche Fahren mit eleganten Wagenpferden erreichte um 1900 seinen Höhepunkt und erlebte in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts ein bis heute andauerndes Revival als moderne Pferdesportdisziplin. Dazwischen, als sich in der Zwischenkriegszeit das Automobil dauerhaft durchsetzte, war es etwas stiller um den Fahrsport geworden. Dass sich die Equipagenkultur trotz der Motorisierung erhalten konnte, ist einigen begeisterten Damen und Herren zu verdanken, die die alte Tradition weiter pflegten. Diese sorgten damit für Kontinuität auf hohem Niveau in den Bereichen Wagen, Fahrkunst und Zucht von Wagenpferden. Und sie legten mit der Weiterentwicklung der sportlichen Seite des „Driving“ den Grundstein zum modernen Fahrsport. Zu diesem Kreis gehörte in Aachen Georg Talbot. Er gestaltete als einer der letzten grossen Viererzugfahrer Europas der alten Schule die wechselvolle Zeit des frühen 20. Jahrhunderts im Bereich des Fahrsportes mit und förderte diese Disziplin in dieser Pferdestadt auf wegweisende Art.

An der Person Georg Talbots kann die allgemeine Entwicklung seiner Zeit im Bereich des Pferdesportes gut abgelesen werden, besonders die Entwicklung der Fahrkultur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.:
- In der Berufswelt aktive und erfolgreiche Bürger gestalten den Freizeitbereich mit und machen in ihrer Heimat Pferdesportveranstaltungen zu einem wichtigen Teil des gesellschaftlichen Lebens der Oberschicht.
- Initiative Industrielle werden zu Bewahrern von Elementen des Lebensstils des alten Adels.
- Aktive Reitsportler wenden sich in einem gewissen Alter dem Fahrsport zu.
- Traditionelle Tätigkeiten werden in einer Zeit des Wandels ritualisiert und damit bewahrt. Gemeint ist hier vor allem die Weiterführung der Equipagenkultur auch nach der Einführung des Automobils. Im Rahmen des reglementierten Sportes werden alte Regeln in neue Strukturen übergeführt.
- Mit Aachen wird ein Kurort, der seit über 100 Jahren von zahlreichen reichen ausländischen Gästen aus ganz Europa regelmässig frequentiert wurde, zu einem pferdesportlichen Mekka.

In Aachen etablierte sich vergleichsweise früh ein hochstehender Luxuswagenbau, vor allem mit den Firmen Hansen und Mengelbier. Der erste Concours Hippique von Aachen wurde 1888 vom Kurverein organisiert, bis um 1900 der heute noch tätige Verein ALRV gegründet wurde, welcher das berühmte Aachener Turnier bis heute organisiert. Die Sparte Fahren war in Aachen stets den Disziplinen Springen und Dressur ebenbürtig.

Biographie

Der 1864 in Aachen geborene Georg Talbot trat nach dem Studium der Ingenieurwissenschaften in Karlsruhe und in seiner Heimatstadt sowie nach Praktikas in England und in Belgien 1887 in die bekannte elterliche Waggonfabrik ein. Der Waggonbau war aus dem Wagenbau (Kutschenbau) hervorgegangen. 1899 übernahm Georg Talbot den Betrieb mit circa 400 Mitarbeitern und expandierte die Fabrik zügig. Wie schon sein Vater wurde er als Industrieller ein engagierter Bürger seiner Stadt. Im kulturellen Bereich profilierte er sich unter anderem als Sammler alter Meistergeigen, die er auch selber spielte. Während des Ersten Weltkrieges kommandierte Georg Talbot als Kavallerieoffizier einen von ihm gestifteten Lazarettzug. Damals wurde der Betrieb der Waggonfabrik bereits von seinem Sohn Richard unterstützt. Georg Talbot starb am 6. 8. 1948, als eben das Aachener Turnier nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Fuss fassen konnte. Geheimrat Georg Talbot wurde von seiner Heimatstadt, der dort ansässigen Technischen Hochschule Aachen und anderen Institutionen verschiedentlich hoch geehrt.

Die Liebe zum Pferd

Georg Talbot pflegte schon als Jüngling den Reitsport und fehlte auf der Aachener Reitbahn bereits als junger Mann bei kaum einer reitsportlichen Veranstaltung. Besondere Freude bereiteten ihm die Aktivitäten des Aachener Reitvereins, dessen Master er war. In den Jahren vor der Ersten Weltkrieg, als die Grenzen noch offen waren, wurde bei Jagden oft ins nahe Belgische oder gar Holländische geritten. Spätestens 1909 erwarb Georg Talbot eine eigene Coach und pflegte offenbar seither das Vierzugfahren. Dafür spannte er seine beiden Wagenpferde als Vorpferde ein und lieh sich zunächst als Stangenpferde die Pferde seines Schwagers Hugo Knops-Talbot (Abb. 1).

Bald legte er sich einen eigenen Viererzug zu. Georg Talbot bevorzugte rassige, hellbraune Holsteinerpferde, vor allem auch Stuten (Abb. 2
 

Nach dem Ersten Weltkrieg unterstützte er die neu organisierten Reit-, Spring-, und Fahrturniere auf der Soers und trat dort regelmässig als aktiver Fahrer auf. Als er im Jahre 1925 sein neues Anwesen „Grenzhof“ beziehen konnte, verfügte er über Stallungen neuester Machart direkt neben dem Wohnhaus (Abb. 3).

 Georg Talbot gewann mit den Viererzug und dem Zweigespann verschiedene Preise (Abb. 4).

 Er führte seine Coach bis ins hohe Alter persönlich vor (Abb. 5).

Nach mündlicher Überlieferung verfügte Geiog Talbot über einen eigenen Trainingsplatz im Wald südlich seines Anwesens und benütze jede Gelegenheit, seine Fahrkunst weiter zu entwickeln. So soll er nach der Rückkehr von den Ausfahrten jeweils auf dem Grenzhof seinen Viererzug so zurückgerichtet haben, dass der Wagen in die Remise zu stehen kam und nicht von Hand zurückgeschoben werden musste.

Text und Fotos : Andres Furger