Benno von Achenbach - Englische - Anspannung 1911 Teil 2

08.01.2020 von admin

 

 

 

 

 

 

Seidene Stirnbänder, zu denen ebensolche große Rosetten gehören (Abb. 1) kann man für Parkgespanne und Damenphaeton mit Kammdeckelunterlagen benutzen, dazu möglichst Buxtonkandaren mit Aufsatzzügeln. Geschlossene Kandaren sind ohne Aufsatzzügel gefährlich, weil die Pferde am Deichselkopf hängen bleiben können, aus demselben Grunde sind steife Kinnkettenhaken zu vermeiden; Doppelfederhaken sind bei weitem die besten, da sie ohne Zange ausgewechselt werden können und weder an Aufhalteketten noch sonst wo anhaken. Die rechten und linken Haken sind verschieden, sie sind richtig ausgewählt, wenn der für die Kinnkette bestimmte Haken, wenn in der Kandare befindlich, nach oben steht.(Abb. 2.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Aufmachung mit seidenen Stirnbändern und Rosetten zu Kammdeckelunterlagen gilt auch für die Stadtwagen, Coupe Dorsay (Abb. 3.)

 

 

 

 

 

 

8-Feder - Viktoria (Langbaum) (Abb. 4.),

 

 

 

 

 

Barouche (Caleche) (Abb. 5).

 

 

 

 

 

 

 Es gibt drei Formen des Aufsatzügels. Die mildeste ist die mit einfacher Trense, in die der Aufsatzzügel eingeschnallt wird; sie gilt nicht als sehr elegant, ist aber praktisch. Will man bei längerem Warten lassen der Pferde aushaken, so kann man ein kleines Riemchen an der Trense benutzen, das, in die Schnalle des Backenstücks geschnallt, die Trense an ihrem Platze im Maule erhält. (Abb. 6.)

 

 

 

 

Eleganter, etwas komplizierter ist die Befestigung an einem besonderen Backen stück mit kleinem Karabiner. Hakt man auf dem Kammdeckel aus, so bleibt dieses Backenstück gespannt und zieht, was doch nicht beabsichtigt ist, die Maulspalte hoch. Ist das Trensen - Backenstück nicht gespannt, so steht es unschön vom Kopf ab, wenn man aufsetzt. (Abb. 7.)

 

 

 

 

Die eleganteste aber auch die schärfste Art dieses Zügels ist der »füll bearing rein« mit Flaschenzug. (Abb. 8.)

 

 

 

 

 

 

Da die Hebel Wirkung sehr groß ist, so wissen die wenigsten Fahrer, welche Qual sie dem Pferde bei dem verhältnismäßig leichten Einhaken bereiten. Bei schwerem Hals und starkem Rücken muss man am einfachen Aufsatzzügel beim Einhaken ziemlich stark zufassen, wenn im Trabe noch irgendeine Wirkung vorhanden sein soll. Bei der scharfen Form dagegen hebt das Pferd den Kopf aus Angst vor dem grausamen Instrument so hoch es kann. Ich bin ein Feind der Aufsatzzügel sie sind raue und grausame Knechte. Pferden, die wie Trüffelschweine gehen, die übrigens nicht für Equipagen passen, ziehen sie die Maulspalte hinauf; Kopfschlagen mit blau heraushängender Zunge ist der einzige Erfolg. Wer für kurze Park-oder Stadtfahrten sehr hohen Aufsatz verlangt, der soll Karossiers mit natürlichem Kragen und wenig Rücken kaufen, diese kann man ziemlich hoch aufhetzen, ohne sie ganz nutzlos zu quälen.

 

Sollen Pferde (mit diesem scharfen Aufsatz) abgesetzt stehen, so fallen leicht die Trensen zum Maule heraus; man kann, um das zu verhindern, den Nasenriemen aufschnallen, an jeder Seite durch den Trensenring ziehen und ihn dann lose befestigen. Es ist ebenso viel gegen Aufsatzzügel wie gegen Scheuklappen geschrieben, noch mehr geredet worden, meistens Unsinn.

 

Für herrschaftliche Pferde sind die Scheuklappe richtig liegende vorausgesetzt — eine große Sicherheitsmaßregel. Nur ein Beispiel: Montag, nasser Asphalt, stallmutige Pferde, eines fleißig, das andere etwas kitzlich launig. Will man das 1 launige antreiben, so sieht es schon die Bewegung der Peitsche und kann sich überlegen auszukeilen; es wird dann viel eher schlagen, als wenn es zum Überlegen keine Zeit hat. Pferde, die gerne nach anderen Pferden schlagen, tun das in der Reitbahn immer eher nach Schimmeln als nach dunklen Pferden. Sie sehen den von hinten herankommendem Schimmel früher, überlegen sich den Fall, zielen, schlafen und treffen. Ähnlich geht es mit einem Motorrad. Gehen die Pferde in Scheuklappen und saust der Knatterkasten heran, so ist er auch schon vorbei, wenn das Pferd den Schweif einklemmt und sich das Schlagen überlegt. Kommt das Ding von der Seite und ein launig-temperamentvolles Pferd hat es kommen sehen, so dreht es seine Hinterhand dagegen, und schlägt vielleicht über den Strang. Die Scheuklappen schützen die Augen der Stangenpferde gegen die Vorderleinen. Möchte man ein Vorderpferd antreiben oder gar strafen, weil es seinen Nachbar zu beißen versucht oder nicht seine Pflicht tut, bummelt und bei jedem Auto herumspringt und zu schlagen versucht, so würden ohne Scheuklappen die drei anderen Pferde sehen, dass der Fahrer aufholt usw., während ein einigermaßen geschickter Fahrer, Scheuleder vorausgesetzt, ein Vorderpferd treffen kann, ohne dass die 3 anderen Pferde überhaupt das mindeste merken, so dass die Ruhe nicht gestört wird, das Tempo dasselbe bleibt. Die tierschützlerichen Schreiber und Schreiberinnen wussten bisher nicht wozu die Scheuklappen da sind und wie sie liegen sollen, es wäre besser für Vorspannpferde zu sorgen, wo täglich unzählige Pferdemisshandelt werden. Die Tierschutzvereine sollten sie nach englischem Vorbild bereitstellen, z. B. an der Marschall-Brücke. Die Aufsatzzügel verteidigen viele hervorragende Fahrer aus der klassischen Zeit des »Coachingrevival« das 1862 beginnt. Sie schwören auf den Aufsatzzügel, sagen, wie manches Pferd hätte sich »ohne« die Kniee aufgeschlagen, fahren dann fort, sie hätten nie ohne gefahren und würden es nie tun! — Haben solche Ansichten überhaupt einen Wert? — Ich habe Jahr und Tag nur fremde Pferde gefahren, fast alle ohne Aufsatzzügel, auf Touren und Concours stets ohne, ich habe sie noch nie entbehrt. Im bergigen Gelände, im schweren Zuge wollen die Pferde die Hälse lang machen, frei atmen und das Gewicht ins Kummet legen können. Wie Graf Wrangel, ich glaube in seinem »Luxusfuhrwerk«, schreiben konnte, dass er eines Tages einen Viererzug zusammengestellt und erfahren habe, und dass die Pferde schlecht bergan gezogen hätten, am folgenden Tage habe er Aufsatzzügel aufgelegt, woraufhin sie bergauf tadellos gezogen hätten — ist unfasslich; es konnte doch nur daher kommen, dass sich die Pferde am Tage vorher eingelaufen hatten, dass der Stall Mut herunter war, und dass sie trotz der Aufsatzzügel gut gingen. Vielleicht waren auch die Kreuzleinen falsch geschnallt, und die Arbeitseinteilung wurde durch verschiedenes Aufsetzen reguliert; das machte man vielfach zur Zeit der »Notzügel«, ein recht übler Ausweg.

 

Es ist viel für und viel gegen den Aufsatzzügel geschrieben worden, dafür, maßvoll angewandt und bei längerem Halten bleiben ausgehakt, sind so große Autoritäten wie der verstorbene Herzog v. Be au fort (vgl. sein Buch »Driving« der Badminton Library) und Major Dixon. Col. Hugh Smith-Baillie verwirft den Missbrauch des Aufsatzzügels, glaubt aber mit Recht dass man Schläger nicht ohne fahren sollte. Der Herzog v. Somerset empfiehlt ihn, er sagt: dass ein im Geschirr stehendes »8000 M.-Pferd« ohne Aufsatzzügel wie ein »800 M.-Pferd« aussehe. Das scheint mir doch sehr übertrieben, dann sähe auch jedes 8000 Mark Pferd an der Hand wie ein 800 Mark Pferd aus. Harry Hierower sagt: wo ist der Mann, der zwei Stunden lang vier temperamentvolle Blutpferde halten kann? (Soll heißen ohne Aufsatzzügel.) Ich kann darauf erwidern, dass das Herren und Damen können, wenn sie überhaupt fahren können und die Pferde nicht zu sehr verdorben und richtig gezäumt sind. Ich fahre ganz besonders vierspännig ungern aufgesetzt, denn wenn eine Wirkung erzielt werden soll, so müssen die Aufsatzzügel auch im Trabe wenigstens leicht anstehen. Ist das aber der Fall, so schlagen die Pferde mehr als sonst mit den Köpfen, ganz besonders beim Schrittfahren, das durch das Aufsetzen keine Erholung, sondern eine Qual wird: die Pferde versuchen die Hälse lang zu machen, wodurch der Aufsatz noch schärfer wird als im Kopfschlagen der Stangenpferde ungezählte Rucke ins Maul. Abgesehen von der Grausamkeit ist ein Pferd, ob von Natur oder künstlich hoch aufgesetzt nur dann schön, wenn es sich dabei heranstellt, dass es nicht himmelwärts blickt. (Abb. 9.)

 

 

 

 

 

 

Die Ohrbügelringe für den Aufsatzzügel am Kehlriemen zu befestigen, ist unschön, der so geführte Aufsatzzügel zieht dem Pferde den Hals kurz zusammen (Abb. 10);

 

 

 

 

 

 

liegt jedoch der Aufsatzzügel in der Richtung vom Aufsatzhaken zur Rosette, so erscheint schon dadurch der Pferdehals länger und aufgerichteter. (Abbildung 11.)

 

 

 

 

 

 

Zum Einspänner Geschirr verwendet man Kummetbügel, die in Haken endigen und unten mit einer stahlpolierten oder zum Geschirr passend plattierten Kette (ähnlich den einfachen Kinnketten) verbunden, oben wie alle Kummetbügel mit einem »Kummetgürtel« zusammengehalten und auf dem Kummet festgeschnallt werden. Kummetgürtel mit einer festen und zwei losen Schlaufen liegen viel schöner als solche mit zwei festen und einer losen Schlaufe. (Abb. 12.)

 

 

 

 

 

 

Die Leinenaugen sollen stets beweglich sein, um sich flach anlegen zu können, das hat den Vorteil, dass die Leine sich weniger darin verdreht, dass sie bei einem Stoße Falle nicht abbrechen, dass die Vorderleine sich weit seltener darunter festklemmt und dass das Nebenpferd (bei Steppern besonders) durch die Bewegungen des Kummets nicht gestört wird, weil das bewegliche Leinenauge dem Innenzügel ununterbrochen nachgibt. Zum Einspänner-Geschirr gehören kurze Stutzen oder Seitenblätter, deren Schnalle vor der Sellette liegt; der Strang soll nicht am Kummetbügel befestigt sein und am Ende geschnallt werden. Das verbietet sich dem praktischen Fahrer schon dadurch, dass er letztere Einrichtung zum Tandem mit Anstand nicht verwenden kann. (Abb. 13.)

 

 

 

 

 

 

 

Passend zur Schlusskette sind die Haken am Ende der Kummetbügel, Stahl oder plattiert, dgl. die Zug ösen und Zugkrampen. Die Ansichten, ob Stahl oder plattiert zu bevorzugen, sind geteilt, in England bevorzugt man plattiert. Ich ziehe stahlpoliert vor, weil die Plattierung, wo sich Metall auf Metall reibt, zu leicht abbröckelt.Statt der Schlusskette ein sogenannter Schlussring (Abb. 14) ist für ein herrschaftliches Geschirr ein Unding, dasselbe gilt von der kombinierten Aufsatz- und Leinenkette (Abb. 15) sowohl wie von der Einspänner Kette, die verhindern soll, dass das Pferd mit den Leinen unter die Scherbäume gerät. Der Scherbaum sollte verkürzt werden und der Fahrer etwas aufpassen, dann braucht man diese fürchterliche Kette nicht. (Abb. 16.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Metallrosetten am Stirnband und die Spielen sind ausschließlich für Monogramm, Crest oder Wappen da (Abb. 15), man nehme deshalb keine, die wie Deckenverzierungen aussehen, an denen Kronleuchter angebracht sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man findet manchmal mehrere Buchstaben nebeneinander auf den Geschirren, das macht den Eindruck eines Geschäftswagens, der seine Firma auch auf dem Geschirr zum Ausdruck bringen will. Ein Monogramm oder ein Buchstabe in der alten ovalen oder runden »Schnalle« ist unbedingt abgeschlossener und gefälliger. (Abb.17.)

 

 

 

 

 

 

 

Monogramme gehören in erster Linie auf die Rosetten, weil diese, wie gesagt, nur dafür da sind. Bei Geschirren aus braunem Leder empfiehlt ersieh, die Stirnspieler, die ohne Monogramm sinnlos, und das Monogramm auf dem gelben Scheuleder wegzulassen, weil braunes Leder von den Metallputzmitteln schmutzig wird, während diese das Lackleder nicht verderben In England bestand —. ob noch, weiß ich nicht — eine Steuer auf jedes Rad und Wappen oder Crest, nicht auf Buchstaben. Um möglichst billig wegzukommen, fuhr man mit möglichst wenig Rädern, also zweirädrig, und brachte die Buchstaben an. In Paris machte man sie sofort nach und als »neueste Pariser Mode« kamen sie vor ca. 20 Jahren auch zu uns.

Verzierte und gedrehte Geschirr-Beschläge, andere als glatte Zug ösen passen nicht für gute englische Anspannung. Ringe mit Sternchen darin gehören zu der Klasse der vereinigten Ohr Leinenketten. (Abb. 18.)

 

 

 

 

 

 

Abb. 19 zeigt die fehlhaften, weit abstehend' festen Leinenringe; das Roadcoach-Vordergeschirr darunter, das sich vom Einspänner durch die langen Stutzen oder Seitenblätter unterscheidet, hat bewegliche Ringe, deren Hälse noch kürzer sein könnten. Feststehende Leinenringe kann man nicht so anliegend machen, weil die Schnallstücke der Leinen nicht durchzuschieben wären. Geht ein Kummet schlecht über die Augen, so lege man es, etwas gegen das Knie geweitet, ausgeschnallt auf,

 

 

 

 

 

 

oder, wer die Mühe scheut, nehme eine etwas längere Schlusskette (mit runden Ringen, nicht wie Abb. 14) links, Abb. 19 zeigt die kurze Krampe des Einspänners, rechts eine verbogene des Park-Zwei-resp.-Vierspänner Geschirrs. Am Kummetbügel selbst sind die Stränge ohne Krampen in die großen Ringe eingenäht, sodass ein Drücken gegen die Schulter bei dieser Befestigung ausgeschlossen ist. Beim Einspänner hat man gewöhnlich keinen Kammdeckel, sondern eine Selette, die in der Form zu den Schnallen, Scheuledern und Linien des Wagens passen soll. Ist ein Teil eckig, der andere geschweift, so erscheint das Ganze zusammengepumpt. (Abb. 20.)

 

 

 

 

 

 

Die Anspannung ist insofern auch lehrreich, als der Schimmel unsinnig kurz an einem viel zu kleinen Wage geht, wodurch die Scherbäume vorne ebenso wie die Spitzen der Stränge weit vorstehen. Falsch ist ferner für Dogcart die Coupe-Trage Öse, an deren Stelle eine Leder Öse - sein sollte. Die Scheuleder liegen viel zu hoch, dicht am Stirnriemen! Der obere Scheulederrand liegt über dem Schläfenbein. Die Mähne sollte rechts liegen, die Scheuleder sind eckig, die Selette nicht eckig, sondern sogar geschweift. Dazu passen D-Scheuleder oder geschweifte (Abb. 21).

 

 

 

 

 

 

 

Der volle Flaschenzugaufsatz ist so leicht eingelegt, dass er das Schimmelchen im Stehen nicht stört, im Trabe flattert er unschön herum und wirkt gar nicht, während er bergan im Schritt stören wird. Da die kleine Karre keine Bremse hat und ohne Umgang angespannt ist, so sind die fälschlich vorne angebrachten Laternen in Gefahr, sobald es bergab geht. Ich würde die Stränge zwei Loch länger schnallen und die Trage Öse vor den ersten Knopf legen, schließlich die Bäume auf jeder Seite herunterlassen. Abb. 7 zeigt den Aufsatz (mit besonderem Backenstück) ausgehakt. Hier liegen die Scherbäume richtig zurück, man braucht also keine Kettchen; ich würde die Gabel um ein Loch tiefer legen. Man kann einspännig mit oder ohne Schlagriemen fahren, Hinterzeug ist selten nötig. Ich empfehle Einspännig oder beim Tandem stets den .Schlagriemen aus praktischen Gründen, weil auch ein sonst ruhiges Pferd einmal schlagen kann, wenn sich z. B. eine große Plerdefliege unter dem Schweif oder sonst an empfindlicher Stelle festsetzt, wo auch der längste Fasanenschweif nicht hinreicht. Der Schlagriemen muss stark und die Schnallen müssen geschmiedet sein, nicht aus Neusilber oder Messing, da sich diese, wie es mir einmal passierte, beim ersten Schlage langzogen, sodass die Dorne sich durchschoben. Das Schlagen war dadurch verursacht worden, dass das Spitzpferd des Tandems stutzte, wodurch die Vorderleinen den Wheeler auf dem Rücken kitzelten, das Gabelpferd hatte nie vorher geschlagen. ' Abgesehen von dem Nutzen eines soliden Schlagriemens sieht besonders ein Pferd mit mangelhafter Sattellage, ohne jeden Riemen an der Kruppe, in seiner hinteren Hälfte sehr dürftig, nackt und lang aus, umso mehr, wenn es in der vorderen Hälfte durch Sellette, Kummet, Seitenblatt, Aufsatzzügel und Kopfstück reichlich beladen ist. Am auffallendsten ist das Missverhältnis beim Tandem, wenn das leichte Spitzpferd mehr Riemzeug am Leibe hat, als das schwerere Gabelpferd, das so häufig die stark nachschiebende Große Cart allein aufhalten muss, wenn man nicht eine sehr gut wirkende Bremse hat. Die Stösse], an denen sich die erwähnten »geschmiedeten« plattierten Schnallen befinden, werden ziemlich weit zurück am Seher-bäum durch Krampen oder angeschraubte Riemchen gezogen, durch die Stössel dann die Stränge. Kettenstränge brauchen vorne nicht, wie vorher erwähnt, verschnallbar zu sein, da hier die Glieder der Kette dazu da sind, den Strang zu verkürzen oder zu verlängern; beides ist embarras de richesse. Für alle zweirädrigen Wagen und Coupes gehört sich die Sellette, breit und gepolstert. Das »Kissen« muss so dick und fest gefüllt sein, dass ein Druck am Widerrist unmöglich ist. Zur leichten einspännigen Victoria macht man wohl auch ein Mittelding zwischen Kammdeckel und Sellette; das ist unpraktisch, weil es die Zahl der Geschirre im Stalle unnütz erhöht; dass es überflüssig ist, zeigt der einspännige »Duc«, der noch leichter ist als die einspännige Victoria. (Abb. 8.) Ein gut angespanntes Coupe etwas veralteter, eckiger englischer Form, zeigt Abb. 9, ob es der schwere Boden tut, das Pferd könnte für mein Auge noch etwas stärker und ein wenig näher am Wagen sein. Die stark abgerundeten Scheuleder und die runde Stirnbandkette passen nicht ganz zu den Laternen. Das in einem Stück gearbeitete Bockkissen erinnert an Paris und macht den Eindruck, als wäre es zur Modernisierung des outen alten Wagens bei der letzten Reparatur mit den Gummirädern angeschafft worden. Holland & Holland in London haben übrigens genau den gleichen Wagen mit ebensolchem Bockkissen in ihrem Katalog, ich halte es nicht für eine Verbesserung. Der Bock eines Coupes ist nicht breit; der Kutscher fährt immer bequemer, wenn seine Ellbogen etwas über denen des Groom oder Footman sind.

Ob ein Stallmann oder der Hausdiener auf dem Coupe mitfährt, wird verschieden gehandhabt, beides ist richtig. Streng genommen passt der Hausdiener besser zum Besuche Fahren, da er die Herrschaften und deren Adressen, die im Hause seines Herrn verkehren, meistens kennt, während die Leute aus dem Stalle eher dahin gehören, wo etwas mit den Pferden zu tun ist, wie das Mitfahren bei Selbstfahrern oder einem Besuche über Land, wo ausgespannt wird. Der Stallmann (Groom) trägt Lederhosen und Stulpenstiefel zum Fahrrock, der Hausdiener (Footman) lange Hosen und Frack. Nur der Hausdiener trägt einen langen Mantel, weil seine Beine mehr geschützt sein sollen, da er keine wärmenden Lederhosen und Stulpstiefel hat. Kutscher und Groom tragen Kutscherkragen und Plastron, der Hausdiener zum Frack den geschlossenen Stehkragen mit weißer Binde. Zur Barouche und 8-Feder-Victoria, wenn die Leute gepudert sind, Kniehosen, seidene Strümpfe.

 

Im Gegensatz zu Abb. 20 zeigt Abb. 21 eine Cart, die nach vorne hängt. Da es ein Buggy ist, also nicht stellbar, so werden Pferd und Fahrer zweifellos entsetzlich geschüttelt

 

 

 

 

 

 

Abb. 22 zeigt ein gut angespanntes und gefahrenes Buggy (die berühmte Hackneystute »Hildred«), das Pferd grade und leicht am Zügel, die Handstellung der fahrenden Dame großartig, daher auch die schöne Peitschenhaltung. Man sieht der Hand und dem Ellbogengelenk die Aufmerksamkeit und Weichheit an.

 

 

 

 

 

 

Textbearbeitung :H.B.Paggen

Quelle : Sankt Georg 1911 Sammlung Verfasser